Man bestellt ein Oberteil in XL, doch an den Schultern steht es ab. Dasselbe Modell in XXL von einer anderen Marke sitzt dagegen an der Brust zu eng. Das Problem liegt nicht am Körper, sondern am Etikett: Die Buchstaben XL und XXL stehen für keine festen Maße.
Jede Marke legt ihre eigene Größentabelle fest. Die oft zitierte Norm ISO 8559-2 beschreibt, wo das Maßband angelegt wird, aber nicht, welcher Buchstabe welchem Maß entspricht. Wer zwischen diesen beiden Größen wählen möchte, kann sich daher nur zuverlässig an der eigenen Körperform und den eigenen Maßen orientieren.
Körpermaße und Kleidungsmaße: zwei Werte, die man nicht verwechseln sollte
Misst man den Brustumfang mit einem Maßband, erhält man ein Körpermaß. Der Wert in der Größentabelle einer Marke kann sich dagegen entweder auf genau dieses Körpermaß beziehen oder auf die flach gemessene Breite des Kleidungsstücks, verdoppelt. Der Unterschied zwischen beiden Werten heißt Mehrweite und variiert je nach Schnitt.
Ein Oversize-T-Shirt in XL hat mehrere Zentimeter mehr Weite als eine taillierte Bluse in derselben Größe. Bevor man zwei Größentabellen vergleicht, sollte man deshalb prüfen, ob die angegebenen Werte Körpermaße oder Maße des fertigen Kleidungsstücks sind. Dieser selten hervorgehobene Unterschied verhindert, dass man aus übertriebener Vorsicht eine Nummer größer bestellt.
Um herauszufinden, welchen Maßen die Damengröße XL in einer bestimmten Tabelle entspricht, sollte man zuerst feststellen, welche Art von Maß dort verwendet wird, und es dann mit den eigenen Werten vergleichen.
Richtig Maß nehmen: So lassen sich Fehler vermeiden
Man braucht ein flexibles Maßband, trägt die Unterwäsche wie gewohnt und steht aufrecht, ohne den Bauch einzuziehen. Gemessen werden drei Bereiche. Die Werte notiert man auf den Zentimeter genau.
- Brustumfang: Das Maßband verläuft waagerecht an der stärksten Stelle über dem BH, bei Frauen, und unter den Achseln hindurch über den Rücken. Das Band liegt glatt an, ohne einzuschneiden.
- Taillenumfang: Gemessen wird an der natürlichen Taille, einige Zentimeter oberhalb des Bauchnabels. Das ist die schmalste Stelle des Oberkörpers.
- Hüftumfang (Becken): Das Maßband wird an der breitesten Stelle der Hüften angelegt, etwa zwanzig Zentimeter unterhalb der Taille. Es bleibt parallel zum Boden.
Am besten lässt man sich dabei helfen. Misst man den Brustumfang am Rücken selbst, kommt es häufig zu Abweichungen von einigen Zentimetern – genug, um in eine andere Größe zu rutschen.

XL oder XXL für Damen: Wo die Entscheidung je nach Kleidungsstück fällt
Bei den meisten französischen Marken (Kiabi, H&M, Decathlon) reicht XL für Damen ungefähr von Größe 44 bis 48. XXL beginnt etwa bei Größe 46 und reicht darüber hinaus. Die Größenbereiche überschneiden sich – und genau das sorgt für Verwirrung.
In der Praxis hängt die Entscheidung vom Kleidungsstück ab, nicht nur vom Buchstaben. Bei einer Hose ist der Hüftumfang ausschlaggebend. Bei einem Mantel entscheidet der Brustumfang, weil man darunter weitere Kleidung trägt. Bei einem geraden Kleid sind alle drei Maße wichtig.
Wann die Körperform wichtiger ist als der Brustumfang
Zwei Personen mit demselben Brustumfang können unterschiedliche Größen tragen, wenn ihre Proportionen voneinander abweichen. Bei einer V-Silhouette (breite Schultern, schmale Hüften) kann oben XL und unten manchmal L passen. Bei einer A-Silhouette (breitere Hüften als Schultern) ist es umgekehrt.
Der Buchstabe auf dem Etikett beschreibt lediglich eine durchschnittliche Körperform. Wer die eigenen drei Maße für jedes Kleidungsstück mit der Größentabelle der Marke vergleicht, erhält ein deutlich zuverlässigeres Ergebnis, als wenn man sich auf die üblicherweise getragene Größe verlässt.
XL oder XXL für Herren: Unterschiede zwischen Marken und häufige Stolperfallen
Bei Herren liegt XL in den Größentabellen von Celio und H&M ungefähr im oberen Bereich des Brustumfangs – also bei mehr als 100 Zentimetern. XXL ist für noch größere Maße vorgesehen. Der Unterschied zwischen beiden Größen beträgt oft nur wenige Zentimeter beim Brust- und Taillenumfang.
Die häufigste Stolperfalle betrifft Oberteile. Ein Polohemd in XL von einer Marke mit schmalem Schnitt kann enger sitzen als ein Modell in L von einer Marke mit geradem Schnitt. Wer zwischen XL und XXL schwankt, fährt am besten damit, die Breite eines gut sitzenden Kleidungsstücks zu messen und mit der Größentabelle zu vergleichen.
Oberkörper- und Ärmellänge
Die Größen XL und XXL stehen nicht nur für mehr Weite, sondern auch für längere Kleidungsstücke. Für große Männer löst eine größere Größe manchmal das Problem der Oberkörperlänge, führt aber gleichzeitig zu überschüssigem Stoff an den Schultern. Einige Marken bieten „Tall“-Schnitte an, die das Kleidungsstück verlängern, ohne es weiter zu machen. In Frankreich sind sie jedoch noch selten.

Größentabellen verschiedener Marken vergleichen, ohne den Überblick zu verlieren
Für Größentabellen gibt es keine verbindliche Norm. Die Norm ISO 8559 legt ein standardisiertes Verfahren zum Maßnehmen fest, doch jede Marke bestimmt selbst, welchen Größen die Maße entsprechen. Beim Brustumfang gibt es zwischen zwei Marken für denselben Buchstaben regelmäßig Unterschiede von zwei bis vier Zentimetern.
- Die drei Körpermaße einmal nehmen, notieren und auf dem Smartphone speichern.
- Vor jedem Onlinekauf die Größentabelle der jeweiligen Marke aufrufen – nicht erst danach.
- Liegt man zwischen zwei Größen, bei strukturierten Kleidungsstücken (Blazer, Mantel) die größere wählen und bei Stretchmaterialien (Leggings, eng anliegendes T-Shirt) die kleinere.
Wer sich einfach sagt: „Ich trage überall XL“, muss mit Rücksendungen und Versandkosten rechnen. Fünf Minuten Maßnehmen sparen mehr Zeit als drei erfolglose Anproben.
Die einzige schwer vorhersehbare Variable ist der markenspezifische Größenausfall: Selbst wenn zwei Marken dieselben Buchstaben verwenden, können die vorgesehene Mehrweite, der Schnitt und die Zielgruppe dafür sorgen, dass das Ergebnis um eine ganze Größe abweicht. Wer die eigenen Maße aktuell hält und zur richtigen Zeit die passende Größentabelle konsultiert, muss den Buchstaben auf dem Etikett nicht länger als Glücksspiel betrachten.



